Restaurant des Herzens verabschiedet sich bis zum Nikolaustag 2026
Am 31. Januar 2026 schloss nach zwei Monaten Betrieb das „Restaurant des Herzens“ der Evangelischen Stadtmission und Gemeindedienst Erfurt gGmbH für diese Saison seine Türen.
Weil die traditionelle Eröffnung am Nikolaustag 2025 auf einen Sonnabend fiel, war nun auch sonnabends Schluss für diesen Winter.
Geschäftsführerin Petra Hegt zieht eine positive Bilanz: „Unser Konzept, mit hochwertigem, frisch gekochten Essen auch das Angebot sozialer Kontakte zu verbinden, wird immer wichtiger", sagt sie. „Neben Familien und Obdachlosen besuchen uns immer mehr Senioren.“ Da ist die Seniorin, die das Team im Restaurant wie alte Bekannte grüßt. Da sind die Stammgäste, die sich Jahr für Jahr nur dort treffen und zwei Monate lang ihr Mittagessen teilen. Da ist die junge Familie, für die das Essen im Restaurant eine finanzielle Entlastung ist. Und es sind die Obdachlosen, die im großen Saal nicht nur eine Mahlzeit finden, sondern auch Wärme.
Die Evangelische Stadtmission in Erfurt dankt allen, die zum Gelingen einer weiteren erfolgreichen Restaurantzeit beigetragen haben. Firmen, Sportvereine, Privatleute, Schulen und viele Ehrenamtliche zählen dazu. Politiker, etwa Erfurts OB Andreas Horn und Sozialbürgermeisterin Heike Langguth, Ministerpräsident Mario Voigt, Finanzministerin Katja Wolf und Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow, halfen im Restaurant aus.
Helfende Hände kommen seit Jahrzehnten aus der Erfurter Sebastian-Lucius-Schule, die das Sozialprojekt treu unterstützt, genauso wie von der Musikschule. Serviceclubs spenden regelmäßig und helfen im Ehrenamt. Ein fester Stamm von etwa 15 Helferinnen und Helfern unterstützte Restaurantleiterin Jana Keil darüber hinaus, den Dienstplan abzudecken.
Wochentäglich wurden durchschnittlich 150 Essen ausgegeben, zwei Weihnachtsfeiern und regelmäßiges Kulturprogramm rundeten die Aktion ab. „Unsere Gäste können zwei Monate lang für einen Euro Mittagessen gehen“, sagt Geschäftsführerin Petra Hegt. „Viele sagen uns, dass dies eine große Entlastung für sie ist.“ Hinzu kommt der soziale Charakter: In Gesellschaft zu sein, miteinander zu feiern, den Bands zuzuhören - „gerade für ältere Besucher ist dies immer wichtiger“, sagt Jana Keil. „Wer sonst allein zu Hause sitzt, findet hier Anschluss.“ Über die Jahre ist der Altersdurchschnitt der Besucher gestiegen.
Rund 100.000 Euro Spenden werden diese Saison zusammenkommen – auch jetzt am Ende der Restaurantzeit geht noch Geld in der Evangelischen Stadtmission ein. „Dezember und Januar sind zwar unsere Hauptspendenmonate, doch wir müssen mit diesem Geld ein ganzes Jahr lang auskommen“, sagt Petra Hegt. Denn nach der Restaurantzeit ist längst nicht Schluss: Rund ums Jahr hält die Evangelische Stadtmission ein Frühstücksangebot im "Café des Herzens" für alle Gäste bereit. Lebensmittelausgabe, Kontakt- und Beratungsangebote inklusive. „Über den Kontakt im Restaurant und Café konnten wir schon manchen ins Hilfesystem vermitteln und auf einen guten Weg bringen“, sagt Petra Hegt.
Neben den laufenden Kosten für die beiden ausschließlich durch Spenden finanzierten Sozialprojekte steht nun eine Neuanschaffung ins Haus: Das Kühlauto, mit dem täglich Lebensmittel aus den Märkten geholt werden, hat nach 15 Jahren seinen Dienst getan und muss ausgetauscht werden. „Auch dafür sind wir für Spenden dankbar“, so Petra Hegt.
Gleich bleibt die Beständigkeit des Angebots. „Der eine Euro als Obolus für das Mittagessen steht fest“, sagt Petra Hegt. „Wir wollen Kontinuität für unsere Gäste und sind daher den vielen Spenderinnen und Spendern dankbar, die nunmehr seit 1992 diese Herzensaktion finanzieren. Die Leute verlassen sich darauf, dass sie zu uns kommen können.“ Das war heute (31.1.2026) zum Abschluss bei Sauerbraten, Klößen und Rotkraut zu spüren: Gäste und Team verabredeten sich bereits für die nächste Saison, die wie immer am Nikolaustag eröffnet wird.